Dünger in Blumenerden – mineralisch oder organisch?

Blumenerden für den Hobbygärtner gibt es in unzähligen Varianten und Preisklassen. Egal ob Universal- oder Spezialerde ob Bio, Torfreduziert oder Torffrei, eins haben sie oftmals gemeinsam: eine versprochene Düngewirkung! Beworben werden Blumenerden u. a. mit Begriffen wie organisch aufgedüngt, Langzeitdüngewirkung, Düngerspeicher oder natürlicher Düngewirkung. Doch was genau ist unter diesen Begriffen überhaupt zu verstehen? Wie unterscheiden sich diese Düngerformen? Wir bringen Licht ins Dunkle und informieren euch!


Mineralisch oder organisch düngen?

Eine Frage die häufig kontrovers diskutiert wird. Gerad bei privater Verwendung wird eine mineralische Düngung oftmals kategorisch abgelehnt. Genannt werden Argumente wie „Das ist doch nur Chemie und ungesund!“ Doch lassen sich organische und mineralische Dünger so leicht bewerten? Bevor wir einzelne Düngerformen genauer erläutern – hier noch ein paar fachliche Infos!

Pflanzen benötigen für ein optimales Wachstum neben Sonnenlicht, Kohlendioxid, Sauerstoff und Wasser, auch Nährstoffe wie Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Ebenso Magnesium (Mg), Calcium (Ca) und Schwefel (S) sowie eine Vielzahl an Mikronährstoffen sind unabdingbar. Pflanzen nehmen diese Nährstoffe, unabhängig ihrer Herkunft, in gelöster Form als Ionen über die Wurzeln auf. Auch bei der weiteren Verwertung im Stoffwechselkreislauf spielt es für die Pflanze keine Rolle ob die Nährstoffe aus einer organischen oder einer mineralischen Düngerform stammen!


Bezogen auf die Verwendung in Blumenerden, stecken hinter dem Begriff ‘organische Düngung‘ in der Regel Produkte tierischen Ursprungs wie beispielsweise Hornspäne, Knochenmehle oder Guano. Aber auch rein pflanzliche Produkte wie Vinasse, Melasse und Komposte können Verwendung finden.

Eines haben sie alle gemeinsam: eine natürliche Herkunft mit dem Ziel Stoffkreisläufe zu schließen und wertvolle Ressourcen zu schützen. Die enthaltenden Nährstoffe sind überwiegend in der organischen Substanz (Kohlenstoff) gebunden und somit nicht direkt pflanzenverfügbar. Damit Pflanzen die Nährstoffe aufnehmen können, müssen diese zuvor durch Mikroorganismen abgebaut und somit freigesetzt werden. Dieser Prozess ist abhängig von der Temperatur, der Feuchtigkeit und der mikrobiellen Belebtheit der Blumenerde. Wird bei organischen Düngern von einer Langzeitwirkung gesprochen, bezieht sich diese Bezeichnung also auf den Prozess einer andauernden Nährstofffreisetzung durch mikrobiellen Abbau.

Da es sich ausschließlich um natürliche Produkte handelt, unterliegen diese gewissen Schwankungen in der Nährstoffzusammensetzung und deren Freisetzung. Eine gezielte Düngesteuerung, gerade von Pflanzen die viele Nährstoffe benötigen, wird hierdurch erschwert.


Häufig sind in Blumenerden sogenannte mineralische Dünger enthalten. Auch diese Dünger, in ihren diversen Formen, enthalten die gleichen Pflanzennährstoffe wie sie in der Natur vorkommen. Allerdings ist ihr Herstellungsprozess in einigen Fällen sehr energieaufwendig und für die Gewinnung notwendiger Rohstoffe werden teilweise geologische Ressourcen genutzt.

Warum werden mineralische Dünger dennoch auch im Hobby-Bereich genutzt? Die Nährstoffe aus diesen Produkten sind in der Regel direkt pflanzenverfügbar und können somit schnell aufgenommen werden. Aufgrund der homogenen und kontrollierbaren Nährstoffzusammensetzung lässt sich eine Düngung nach dem Bedarf der jeweiligen Pflanze ausrichten.

Bei der Verwendung von mineralischen Düngern spielt die richtige Dosierung eine wichtige Rolle um eine Überversorgung der Pflanzen und Nährstoffverluste zu vermeiden. Hierbei können moderne Düngerformen wie Langzeit- oder Depotdünger helfen. Diese sind bereits der Blumenerde beigemischt und sorgen für eine kontinuierliche Nährstofffreisetzung über einen definierten Zeitraum. Depotdünger sind eine umhüllte Sonderform der Langzeitdünger.


Egal ob eine Blumenerde organische oder mineralische Düngerformen enthält, wichtig ist es, diese Nährstoffe möglichst effizient zu nutzen und unnötige Nährstoffverluste zu vermeiden. Dabei kann es helfen, den Nährstoffbedarf der jeweiligen Pflanzen zu berücksichtigen. Auch das Entwicklungsstadium der Pflanzen und der Zeitraum, in dem diese in der Blumenerde wachsen sollen, sind zu beachten.

Der Einsatz von organischen Düngern ist vor allem aus ökologischer Sicht zu befürworten! In den richtigen Verhältnissen eingesetzt, enthalten Guano, Hornspäne, Melasse und Co. ausreichend viele Nährstoffe um die meisten Pflanzen in den ersten drei bis vier Wochen zu versorgen. Zu beachten ist, dass die Wirksamkeit der Dünger teilweise nicht direkt eintritt und die Freisetzung weiterhin von einigen Umweltfaktoren abhängt.

Mineralische Dünger können dann besonders sinnvoll sein, wenn bei Pflanzen ein hoher Nährstoffbedarf schnell gedeckt werden soll. Auch lassen sich mit Langzeit- und Depotdünger Pflanzen über einen Zeitraum von mehreren Monaten versorgen.

Allerdings sollte bei der Verwendung dieser Dünger nicht vergessen werden, dass zur Herstellung teileweise viel Energie benötigt wird. Auch werden endliche geologische Ressourcen verwendet. Anhand von absehbarer Phosphatknappheit wird deutlich, dass weiterhin intensiv an Lösungen zum Recycling von Nährstoffen geforscht werden muss.

 

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